| Kommentar |
Ernst Cassirers Zur Logik der Kulturwissenschaften zählt zu den bedeutendsten Beiträgen der Kulturphilosophie des 20. Jahrhunderts und unternimmt den Versuch einer methodischen Grundlegung des kulturwissenschaftlichen Denkens. Im Zentrum des Werkes steht die Einsicht, dass die überlieferte Erkenntnistheorie nicht ausreicht, um die geistigen Funktionen menschlichen Weltverstehens angemessen zu erfassen. An die Stelle einer rein mathematisch-naturwissenschaftlichen Logik des Erkennens tritt die Pluralität symbolischer Formen, in denen sich eine freie und spontane Tätigkeit des Geistes bekundet – eine Tätigkeit, die zwar ihrem Ursprung nach spontan ist, gleichwohl aber nach strukturellen Gesetzen a priori funktioniert. Cassirer erweitert somit Kants transzendentalkritischen Ansatz, indem er ihn auf Kulturphänomene und damit auch auf die Gebiete der Geisteswissenschaften ausdehnt. Die Philosophie der symbolischen Formen greift so über die klassische Erkenntnistheorie hinaus: Statt mit Dingen hat es die Kulturphilosophie mit Formen und Funktionen zu tun – beispielsweise mit der Formwelt der Sprache, des Mythos, der Kunst, der Religion und des Rechts. Das Verstehen dieser Formwelten erfordert das Vordringen zu ihren Strukturgesetzen. Somit lassen sich die Gegenstände der Kulturwissenschaften adäquat erfassen und die Grundlagen einer Logik der Kulturwissenschaften darlegen. Im Seminar werden die fünf Studien, die Cassirer 1942 im Göteborger Exil verfasste, im Detail erarbeitet. Ein besonderer Akzent liegt dabei auf dem Unterschied zwischen Ausdrucks- und Dingwahrnehmung als Ausgangspunkt allen Kulturverstehens. |
| Literatur |
Notwendige Textgrundlage: Ernst Cassirer, Zur Logik der Kulturwissenschaften. Fünf Studien, Philosophische Bibliothek Bd. 634, Hamburg: Felix Meiner Verlag 2011. (ISBN 978-3-7873-2163-6) (Hinweis: Als Studierende der RPTU Kaiserslautern-Landau ist der Zugriff auf die digitale Ausgabe über die E-Library des Felix Meiner Verlags kostenfrei möglich. Der Zugang erfolgt über die Universitätsbibliothek.) Sekundärliteratur (Auswahl): - Birgit Recki, Cassirer, Stuttgart: Reclam 2004.
- Ernst Wolfgang Orth, Von der Erkenntnistheorie zur Kulturphilosophie. Studien zu Ernst Cassirers Philosophie der symbolischen Formen, Würzburg: Königshausen & Neumann 1996.
- Oswald Schwemmer, Ernst Cassirer. Ein Philosoph der europäischen Moderne, Berlin: Akademie Verlag 1997.
Zum ertragreichen Vergnügen: - Heinz Paetzold, Ernst Cassirer – von Marburg nach New York. Eine philosophische Biographie, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1995.
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| Voraussetzungen |
Die Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zum vorbereitenden und kontinuierlichen Textstudium voraus. Es wird erwartet, daß sich die Studierenden (ab zweites Studiensemester) vor Veranstaltungsbeginn Kenntnisse über den Referenztext aneignen und diesen für jede Sitzung, dem Semesterplan entsprechend, sorgfältig studieren.
Zum Studium der Philosophie gehört ebenso die Einübung in die Artikulation philosophischer Argumentationen in Wort und Schrift, die in den Seminaren praktiziert wird. Die Teilnahme an der ersten Sitzung des Seminars ist obligatorisch. |