| Kommentar |
Nach Max Scheler hat „die Selbstproblematik des Menschen in der Gegenwart ein Maximum in aller uns bekannten Geschichte erreicht. In dem Augenblick, da der Mensch sich eingestanden hat, daß er weniger als je ein strenges Wissen habe von dem, was er sei, und ihn keine Möglichkeit der Antwort auf diese Frage mehr schreckt, scheint der neue Mut der Wahrhaftigkeit in ihn eingekehrt zu sein, diese Wesensfrage ohne die bisher übliche ganz-, halb-, oder viertelsbewußte Bindung an eine theologische, philosophische und naturwissenschaftliche Tradition in neuer Weise aufzuwerfen“. – Diese Passage aus dem Jahr 1928 entstammt dem von Scheler selbst verfassten Vorwort zu seiner Schrift Die Stellung des Menschen im Kosmos. Scheler schreibt in einer Zeit, in der naturwissenschaftliche Einsichten das traditionelle Selbstverständnis des Menschen bis in die Grundfesten erschüttert haben. Sein erneuter Anlauf, eine angemessene Antwort auf die Frage, was der Mensch sei, zu geben, mündet in eine Synthese verschiedener, ursprünglich inkompatibler Perspektiven. Materielles (anorganisches), psychophysisch lebendiges, geistiges und göttliches Sein erscheinen nun gleichermaßen als Aspekte ein und desselben Prozesses, eines sich entfaltenden und im Menschen zur Erkenntnis seiner selbst kommenden Stufenbaus, in dem der Mensch, dessen Eigentümlichkeit der Geist und damit die sogenannte Weltoffenheit ist (Gegenstands- und Selbstbewusstsein, auch Freiheit), die bisher höchste, aber keineswegs die letzte Stufe markiert. |
| Literatur |
Text: Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos. Mit einer Einleitung und Anmerkungen hrsg. von Wolfhart Henckmann. Hamburg: Meiner, 2018. (= PhB 672) Zur Einführung: Sander, Angelika: Max Scheler zur Einführung. Hamburg 2001. |
| Voraussetzungen |
Die Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zum vorbereitenden und kontinuierlichen Textstudium voraus. Es wird erwartet, daß sich die Studierenden (ab zweites Studiensemester) vor Veranstaltungsbeginn Kenntnisse über den Referenztext aneignen und diesen für jede Sitzung, dem Semesterplan entsprechend, sorgfältig studieren.
Zum Studium der Philosophie gehört ebenso die Einübung in die Artikulation philosophischer Argumentationen in Wort und Schrift, die in den Seminaren praktiziert wird. Die Teilnahme an der ersten Sitzung des Seminars ist obligatorisch. |